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MANUFAKTURHISTORIE

Die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) blickt auf eine über 260-jährige Geschichte zurück und zählt zu den bedeutendsten Porzellanmanufakturen Europas. Im Folgenden sind die wichtigsten Meilensteine von der Gründung im Jahr 1763 bis in die Gegenwart abgebildet.

1763
Friedrich der Große gründet die Königliche Porzellan-Manufaktur in Berlin. Zuvor hatte es bereits Versuche gegeben, eine Produktionsstätte für das weiße Gold in Preußens Hauptstadt zu etablieren. Doch sowohl der Wollfabrikant Wilhelm Caspar Wegely wie auch sein Nachfolger, der Kaufmann Johann Ernst Gotzkowsky, müssen trotz königlicher Förderung wegen finanzieller Schwierigkeiten die Produktion einstellen. Friedrich der Große, der schon lange ein Unternehmen besitzen möchte, das kostbares und repräsentatives Porzellan herstellt, zahlt für die Übernahme eine beachtliche Summe. Er gibt der Manufaktur ihren Namen und sein Zeichen, das königliche Zepter.
1763 - 1780
Der König ist selbst sein bester Kunde. Für seine Schlösser gibt Friedrich der Große 21 Service mit bis zu 500 Einzelteilen und kunstvollen Tafelaufsätzen in Auftrag. So werden unter anderem die Modelle RELIEFZIERAT, NEUZIERAT, ROCAILLE oder NEUOSIER entwickelt. Gestalterisch und farblich sind sie auf die Innenausstattung der Schlösser abgestimmt. Auch Friedrichs Staatsgeschenke stammen häufig aus der Manufaktur und stehen auf den Tafeln europäischer Königshäuser sowie im russischen Zarenhaus. Hochrangige Gäste des Bundespräsidenten speisen noch heute vom Rocaille-Service des Schlosses Bellevue.
1790
Peter von Biron, Herzog von Kurland, beauftragt die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin mit der Gestaltung eines prächtigen Tafelservices. Bis heute zählt die Kollektion KURLAND mit der strengen klassizistischen Form und einem Relief aus antiken Tuchgehängen, Eierstäben und Perlrand zu den Bestsellern der Manufaktur und gilt als die wohl weltweit bedeutendste Kollektion des Klassizismus. Die KURLAND-Bordüre ziert heute auch To-go Becher und Currywurstschalen aus dem weißen Gold. Für größere Staatsempfänge steht ein KURLAND-Service im Schloss Charlottenburg bereit.

KPM in der Leipziger Straße 1763-1871

1790 - 1830
Friedrich Wilhelm II. übernimmt nach dem Tod Friedrich des Großen 1786 die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin und macht sie zu einem technologisch führenden Unternehmen – mit der ersten Dampfmaschine Berlins und von Pferden angetriebenen Glasurmühlen. Wirtschaftlich geht es mit der Manufaktur steil bergauf. Gestalterisch prägen Karl Friedrich Schinkel, Johann Gottfried Schadow und Christian Daniel Rauch die Porzellane der KPM. Ihre Entwürfe sind nicht mehr verspielt wie zu Zeiten des Rokokos, sondern orientieren sich an antiken Formen mit klaren Konturen und harmonischen Proportionen. Aus dieser Zeit stammt die Prinzessinnengruppe nach einem Entwurf von Johan Gottfried Schadow. Das aufwändig gearbeitete Standbild aus 88 Einzelteilen zeigt die Kronprinzessin Luise von Preußen und ihre Schwester Friederike. Der noch heute produzierte Schinkelkorb von Karl Friedrich Schinkel mit einem filigran durchbrochenen Korbgeflecht ist Teil eines Services, das Friedrich Wilhelm III. für die Hochzeit seiner ältesten Tochter ordert.
1873
Die KPM Berlin muss dem Bau des Preußischen Landtags weichen und ihren Standort in der Nähe des Potsdamer Platzes verlassen. Sie zieht an den Rand des Tiergartens, was einen großen Vorteil bringt: Die neue Produktionsstätte mit modernem Ringkammerofen liegt direkt an der Spree und ist für Transporte per Schiff erreichbar.

kpm Gelände Tiergarten 1871-1943

1878
1878 wird die Chemisch-Technische Versuchsanstalt als Abteilung der KPM gegründet. Ihr Leiter Hermann Seger entwickelt eine weichere und deshalb mit weit niedrigerer Temperatur brennbare Porzellanmasse sowie eine große Vielfalt neuer Glasuren (Kristall-, Ochsenblutglasuren etc.). Die KPM folgte damit einer europäischen, in Sèvres eingeleiteten Entwicklung und wurde auf diesem Gebiet zu einer führenden Produktionsstätte.
1895 - 1915
Die Designer der KPM Berlin wenden sich ab vom Historismus und gehen über zu fließenden, asymmetrischen und organischen Formen. Das Service CERES des künstlerischen Leiters der Manufaktur, Theodor Schmuz-Baudiß, gilt heute als eines der schönsten Jungendstil-Service. Es kommt 1913 zum 150. Jubiläum der Manufaktur auf den Markt.
1931
Mit der Abdankung der Hohenzollern 1918 wird die Königliche Porzellan-Manufaktur zur Staatlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. Unter ihrem Direktor Günther von Pechmann, dem Vorsitzenden des Deutschen Werkbunds, beeinflussen die Ideen der Neuen Sachlichkeit die Arbeit der KPM Berlin. Das Zeitalter ausladender Ornamente ist vorbei, weniger ist mehr. 1931 entsteht Trude Petris Tafelservice URBINO, welches auf der Weltausstellung 1937 mit dem Grand Prix ausgezeichnet wird und heute als Dauerexponat im Museum of Modern Art in New York steht.
1938
Zum 175. Geburtstag der Manufaktur entsteht das Service ARKADIA. Aus der Feder von Trude Petri stammt die schlichte Form, die Siegmund Schütz – inspiriert von der griechischen Mythologie – mit Medaillons aus Biskuitporzellan verziert.
1943 - 1955
Im November 1943 wird das Geländer der Manufaktur zu 80% bei einem Bombenangriff zerstört. Die Staatliche Porzellan-Manufaktur Berlin zieht in das bayerische Selb ins Exil. Nach dem Wiederaufbau der Gebäude kann der Betrieb 1955 wieder in den Tiergarten zurückkehren.

KPM 1955 - 1998

1987
Mit dem Service URANIA reagiert die Manufaktur auf den Wunsch der gehobenen Gastronomie, breite Tellerfahnen ohne Reliefschmuck herzustellen. Seit 1987 wird das Service Arkadia daher ohne die Biskuitmedaillons von Siegmund Schütz im Sortiment angeboten. 1988 wird die Manufaktur in eine privatrechtliche GmbH des Landes Berlin umgewandelt. Aus diesem Anlass kehrt der Betrieb zum Namen „Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin“ zurück.
1996
Asymmetrie und Abstraktion lösen die strengen Formen der vorherigen Bauhaus-Ära ab. In den 1990er-Jahren entstehen aus der Zusammenarbeit mit dem italienischen Designer Enzo Mari eine Serie aus schlanken Vasen mit quadratischen Edelstahl-Füßen und die mit dem iF Design Award ausgezeichnete Kollektion BERLIN mit konkav und konvex gestalteten Fahnen.
2006
Nach mehreren Privatisierungsversuchen übernimmt der Berliner Bankier Jörg Woltmann die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin als Alleingesellschafter. Woltmann bestimmt die Neuausrichtung des traditionsreichen Unternehmens und begleitet die Manufaktur bis zum heutigen Tag.
2007
Mit der Eröffnung der KPM-Welt, einer Dauerausstellung zur abwechslungsreichen Geschichte der Manufaktur, wird ein zehnjähriges Restaurierungs- und Modernisierungsprojekt des KPM-Standortes abgeschlossen.

KPM-Welt im KPm Flagshipstore

2016
Chefdesigner Thomas Wenzel lässt sich vom ehemaligen Laborporzellan der Manufaktur inspirieren und entwirft die Serie LAB – kein klassisches mehrteiliges Service, sondern eine Reihe von multifunktionalen und minimalistischen Produkten für das moderne Küchenlabor. Durch eine glänzend-glasierte Oberseite und eine matte Unterseite aus Biskuitporzellan bekommen die Stücke einen besonderen haptischen Effekt. Neben Tellern, Schalen und Bechern gehören unter anderem Gewürzmühlen, Mörser und ein Porzellan-Kaffeefilter zur LAB Familie . Jedes Familienmitglied ist nicht nur an der zeitlosen Formensprache, sondern auch anhand der chromgrünen Stempelmarke und dem Schriftzug “BERLIN” zu erkennen.
2017
Die KPM Berlin initiiert eine Kooperation mit dem Künstler Stefan Marx und bringt so zeitgenössische Kunst mit traditioneller Handwerkskunst zusammen. Durch die Resonanz bestätigt, tritt die Manufaktur seitdem regelmäßig mit zeitgenössischen Kunstschaffenden und Gestaltenden in den kreativen Austausch und lanciert unter dem Label KPM+ limitierte Editionen und Produkte.
2018
Der KPM To-go Becher gilt als Symbol einer gelebten Symbiose aus Tradition und Zeitgeist, Stil- und Umweltbewusstsein und ist das kommerziell erfolgreichste Produkt seit Gründung der Manufaktur.
2022
Die Kollektion MANDORLA weckt Erinnerungen, denn Vorbild für das Dekor sind industriell genutzte Schutzbleche, die Wand und Boden vor zu großer Abnutzung schützen sollen. Der Stuttgarter Künstler Reiner Xaver Sedelmeier inspirierte KPM Chefdesigner Thomas Wenzel zu einer kunstvollen Zusammenarbeit, bei der vermeintlich banales Alltagsdesign auf hochwertiges Porzellan übertragen wird. Dabei entstanden Krug, Becher und Vasen aus Biskuitporzellan, allesamt Zylinder, die mit den typisch elliptischen Formen des Schutzmetalls in Form gegossen wurden.
Eine weiße Tasse auf einer weißen Untertasse.
2023
Anlässlich des 260-jährigen Jubiläums der KPM Berlin, huldigen wir einer ihrer bedeutendsten Gestalterinnen aller Zeiten: Marguerite Friedlaender-Wildenhain. Mit der Re-Edition der Flugzeugtasse bringt die Königliche Porzellan-Manufaktur eine echte Rarität der Neuen Sachlichkeit in den Verkauf.