Legenden des Luxus

    Zwei Traditionsmarken – eine Leidenschaft: Die Liebe zu Handwerkskunst, innovativem Design und höchster Perfektion verbindet Mercedes-Maybach und die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin. Beide sind weltberühmte deutsche Marken und Legenden des Luxus. Sie fühlen sich ihrer großen Tradition verpflichtet und entwickeln sich gleichzeitig kontinuierlich weiter. So verleihen sie dem jeweiligen Zeitgeist das Besondere und wecken eine Begeisterung, die über Generationen lebendig bleibt. Die historischen Maybach Modelle sind heute begehrte Sammlerstücke und die neue Mercedes-Maybach S-Klasse definiert automobilen Luxus völlig neu.
    Präzision in der Federführung

    Die KPM Berlin blickt auf eine fast 260-jährige Unternehmensgeschichte zurück. Die meistverkaufte Kollektion bis heute ist das 1790 entworfene KURLAND und das erfolgreichste Neuprodukt ist der erste KPM To-go Becher als nachhaltige und stilvolle Alternative zum Einwegprodukt. Für Mercedes-Maybach und die KPM Berlin ist Luxus sowohl etwas Rares als auch Begehrenswertes. Es dreht sich alles um erlesene Materialien und perfekte Verarbeitung – um die innewohnende Schönheit, die den Sinnen schmeicheln muss. Und es geht um Haltung – um das Langlebige in einer Welt der Wegwerfmentalität und der atemlosen Massenproduktion. Die Designer feilen an dem, woran ihr Herz hängt. Ein Interview über Luxus, Tradition und Nachhaltigkeit mit Gorden Wagener, Chief Design Officer Mercedes-Benz Group AG, und Jörg Woltmann, Inhaber der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin.

    Neuer Klassiker: KURLAND To-Go Becher
    Elegante Details auf weißem Gold

    Sowohl die KPM Berlin als auch Maybach blicken auf eine lange Geschichte zurück. Könnten Sie die Historie bitte kurz umreißen?

    Jörg Woltmann: Die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin wurde 1763 von Friedrich dem Großen gegründet – sie besteht also seit fast 260 Jahren. Nach dem Tod Friedrichs II. wurde das Unternehmen von Generation zu Generation im preußischen Königshaus weitervererbt und war so im Besitz von insgesamt sieben Königen und Kaisern. Im Jahr 2006 habe ich sie übernommen. Zum einen möchte ich die Porzellan-Manufaktur als wertvolles und traditionsreiches Kulturgut bewahren. Zum anderen agieren wir wie ein Start‑up: Wir sind innovativ, kreativ und erfinden uns immer wieder neu, um das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.

    Gorden Wagener: Seit hundert Jahren steht die Marke Maybach für ultimativen automobilen Luxus. Und die neue Mercedes‑Maybach S‑Klasse führt diese Tradition weiter. Mit der Neupositionierung der Marke Mercedes‑Maybach im Jahr 2014 haben wir ein großes Erbe angetreten und eine große Verantwortung von Wihelm Maybach übernommen. Trotzdem haben wir es, meine ich, geschafft, mit der neuen Marke Mercedes‑Maybach einen automobilen Luxus zu definieren, der – wie wir auf Englisch sagen –Sophisticated Luxury darstellt: einen wunderschönen, stilvollen, geschmackvollen, automobilen Luxus. Und das ist bisher ein globaler Riesenerfolg.

    Das weltbekannte Tafelservice KURLAND entstand um 1790, in den beginnenden Zeiten des Klassizismus mit strengeren und geraderen Formen sowie naturalistischer Malerei.

    Was zeichnet die KPM Berlin aus?

    Woltmann: Die KPM Berlin steht für höchste Qualität und Handwerkskunst. Sie ist seit jeher eine Manufaktur, die ihre Porzellanprodukte fast ausschließlich in Handarbeit fertigt und die verschiedensten Dekore von minimalistischen Monogrammen bis hin zu naturalistischen und realitätsgetreuen Abbildern in Freihandmalerei verwirklicht. An einer weißen Tasse arbeiten 25 Manufakturisten, es sind 29 komplexe und aufwändige Arbeitsschritte und die Herstellung dauert 14 Tage. Dabei durchläuft die Tasse zehn Qualitätskontrollen.

    Und welche Eigenschaften schätzen die Kund*innen an Mercedes‑Maybach?

    Wagener: Mit Mercedes‑Maybach bekommen unsere Kunden Perfektion in jeglicher Dimension. Vollendete Proportionen, die perfekte Umsetzung unseres Stil des Hauses, der sinnlichen Klarheit, die so signifikant für die Marke steht. Die Kombination aus Technik und Design und natürlich auch die vielen maßgefertigten handwerklichen Elemente.

    Was bedeutet Luxus für Sie, Herr Woltmann?

    Woltmann: Unser Porzellan ist ein Luxusprodukt, das für unsere Kunden einen hohen, zeitlosen Wert darstellt. Luxus spricht Menschen an, die Kultur und echte Werte lieben. Sie schätzen das stilprägende Design, die hohe Qualität und die Handwerkskunst unseres Porzellans und erfreuen sich daran lange Zeit, nicht selten ein Leben lang und über Generationen hinweg. Und als Manufakturprodukt gibt unser Porzellan ihnen das, was uns allen knapp ist: Zeit. Es lädt ein, gemeinsam mit der Familie und Freunden Zeit zu verbringen und zu genießen. Unsere Produkte bieten auch eine sinnliche Erfahrung, in erster Linie natürlich visuell. Denn ihre besondere Ästhetik sticht sofort ins Auge und bereichert das Umfeld. Doch auch haptisch bietet unser Porzellan einen deutlichen Mehrwert, beim Anfassen wird deren Wertigkeit spürbar. Insbesondere der Geschmackssinn setzt den entscheidenden Unterschied. Denn ein Kaffee schmeckt einfach viel besser aus einer Porzellantasse. Das ist echter Luxus für mich.

    Seit über zwei Jahrhunderten kennt die KPM Berlin das Geheimnis des weißen Goldes: die richtige Mischung aus den Naturrohstoffen Kaolin, Feldspat, Quarz und gefiltertem Wasser.
    . Von der Herstellung der Porzellanmasse über das Gießen, Formen und Drehen bis hin zum Brennen braucht es 29 Arbeitsschritte, um eine einzelne weiße Porzellantasse herzustellen. Jeder Arbeitsschritt erfordert volle Konzentration, jahrelange Erfahrung, Leidenschaft und Fingerspitzengefühl.

    Wie machen Sie bei Mercedes‑Maybach Luxus für Kunden erlebbar, Herr Wagener?

    Wagener: Mercedes‑Maybach steht für unsere Kunden für „Haute Couture“ im Automobilbau. Es strahlt Freiheit, Inspiration und Stil aus. Ein Stil, der wie gesagt geschmackvoll, schön, feingeistig ist. Materialien, Präzision in Details. Wir nennen das hyperanalog, wie ein Chronograph, mechanische Präzision, gepaart mit – in unserer heutigen Zeit – digitaler Präzision, neuester Technologie, natürlich von Mercedes. Und das ist, meine ich, die Spitze dessen, was man einer Kundin und einem Kunden an Erlebnis, an automobilem und auch an Luxuserlebnis zukommen lassen kann.

    Der Grundstein bei der Entwicklung eines neuen Produkts ist bei beiden Luxusmarken auch im digitalen Zeitalter das traditionelle, handgefertigte Ton- bzw. Gipsmodell.

    Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema unserer Zeit. Sind Luxus und Nachhaltigkeit vereinbar?

    Woltmann: Viele Luxusprodukte bestechen vor allem durch zeitlos-diskreten Stil, hochwertige Qualität, technische Perfektion, Langlebigkeit und Werterhalt. So gesehen, gehen Luxus und Nachhaltigkeit Hand in Hand. Wir haben zum Beispiel einen To-go Becher entwickelt – ein Produkt, das nicht weggeworfen, sondern immer wieder verwendet wird. Nachhaltigkeit im Luxus heißt, die Dinge zu schätzen und sie länger zu behalten, auf Qualität und nicht auf Quantität zu achten. Für uns heißt es auch, nachhaltig zu produzieren. Wir setzen auf natürliche Rohstoffe, kurze Lieferwege und einen schonenden Umgang mit den Ressourcen der Natur. Hierfür leiten wir zum Beispiel die bei der Porzellanfertigung entstehende Abwärme in das Berliner Fernwärmenetz ein. Damit sorgen unsere Produkte pro Jahr für rund 150.000 heiße Duschen in Berlin. Und diese Art der Energierückgewinnung ist CO2-frei.

    Wie passen Mercedes-Maybach und Nachhaltigkeit zusammen?

    Wagener: Die beste Nachhaltigkeit im Design ist die Langlebigkeit, Zeitlosigkeit. Ein Mercedes‑Maybach ist wie ein Kunstwerk: Man kauft es sich und es wächst an einem und es bleibt jung, frisch und zeitlos. Und das ist die beste Nachhaltigkeit. So wie dieser Kaffeebecher: Wir kennen alle die Pappbecher, die nach dem Gebrauch entsorgt werden. Dieser ist aus Porzellan, wiederverwertbar und hält ein Leben lang – und das ist auch ein gutes Beispiel für ein Maybach Automobil.

    Welche Parallelen sehen Sie zwischen Maybach und der KPM?

    Woltmann: Nur, wer sein Handwerk perfekt beherrscht, schafft vollkommene Meisterwerke von bleibendem Wert. Wenn wir die Menschen für einzigartige Luxusprodukte sensibilisieren und sie damit in Berührung kommen, dann empfinden sie dafür eine besondere Wertschätzung. Das gilt für das Porzellan der KPM Berlin und sicherlich auch für die Autos von Maybach. Denn sie verkörpern bis ins Detail Hochwertigkeit, Handwerkskunst, Stil und Luxus. Autos sind übrigens meine große Leidenschaft. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich meine Raritäten betrachte: zum Beispiel einen Mercedes 300 SL von 1960 oder einen sehr schönen Mercedes 300 SC Coupé von 1956.

    Jede Epoche hat ihren eigenen Anspruch an Luxus. Traditionsmarken, die bestehen wollen, müssen sich daher immer wieder neu erfinden und Luxus neu definieren. Gorden Wagener: „Der Luxus von heute ist nie der Luxus von morgen. Luxus ist beständiger Wandel. Er treibt Innovationen und schafft langfristige Werte.“ Es geht darum, der Tradition treu zu bleiben und gleichzeitig die Zukunft zu gestalten.

    Die Kunst des edlen Handwerks

    Der Grundstein bei der Entwicklung eines neuen Produkts ist bei beiden Luxusmarken auch im digitalen Zeitalter das traditionelle, handgefertigte Ton- bzw. Gipsmodell.

    Die Mercedes Designer fertigen von jeder Variante eines neuen Automobils auf Basis ihrer Skizzen und Renderings parallel zu virtuellen Modellen ein 1:4-Tonmodell. Für eine bessere Optik wird das Modell lackiert oder mit Folie bezogen. Nur so können sie entscheiden, ob ihre Entwürfe auch in drei Dimensionen die gewünschte Wirkung entfalten. Anschließend bauen sie in Handarbeit ein 1:1-Modell auf, das alle charakteristischen Merkmale des neuen Automobils zum Vorschein bringt. Auch für die Innenraumgestaltung erstellen sie auf Basis von Zeichnungen und Renderings ein 1:1-Tonmodell. Dabei modellieren sie alle Details minuziös aus, bis ein ästhetisch hochwertiges Raumgefühl entsteht. Alle Materialien und Farben werden in Seriengeometrie dargestellt und ermöglichen somit die ganzheitliche Bewertung des Interieurs im Hinblick auf Geometrie und Oberfläche.

     Lackierung in Handarbeit: eine Woche für ein Fahrzeug

    Experten mit jahrelanger Expertise bringen die exklusive Zweifarbenlackierung mit filigranem Trennstrich nach höchsten Qualitätskriterien von Hand auf. Das kann bis zu einer Woche pro Fahrzeug dauern. In der Serienfertigung erhält ein Mercedes‑Maybach automatisiert die erste Lackierung, den Unterlack. Dann kommt die Karosserie in die Sonderlack-Manufaktur. Dort wird das ganze Fahrzeug von Hand matt geschliffen.

    Zur Person

    Gorden Wagener wurde 1968 in Essen geboren. Nach seinem Studium des Industrial Design an der Universität Essen spezialisierte er sich am Royal College of Art in London auf Transportation Design. Bevor er 1997 bei der damaligen Daimler‑Benz AG anfing, war er als Exterieur-Designer für Volkswagen, Mazda und GM tätig. Er ist Chief Design Officer der Mercedes‑Benz Group AG und verantwortlich für das Design von Mercedes‑Benz Cars & Vans.

    Sein international aufgestelltes Team gestaltet sämtliche Marken und Produkte des Unternehmens – von den Automobilen bis hin zum holistischen Corporate Design aller Konzernmarken. Gorden Wagener ist Prof. h.c. der Moholo-Nagy Universität für Kunst und Design in Budapest und Dr. h.c. der Technischen Universität Sofia. Er fühlt sich der Weitergabe seines Wissens an die kommenden Generationen von Designern verpflichtet. Darüber hinaus verwirklicht er regelmäßig Projekte mit anderen Designern und Künstlern. So kreierte er 2020 gemeinsam mit dem Modedesigner Virgil Abloh das „Project Geländewagen“, das international für Aufsehen sorgte. Eine Replik der Designstudie wurde im Rahmen von „Sotheby’s Contemporary Curated“ versteigert. Der Erlös ging an den Virgil Abloh™ Post-Modern Scholarship Fund, der akademisch vielversprechende Modestudierende schwarzer, afroamerikanischer oder afrikanischer Abstammung fördert.

    Jörg Woltmann wurde 1947 in Berlin geboren. Der gelernte Bankkaufmann und studierte Betriebswirt machte sich direkt nach dem Studium 1972 als Partner der Unternehmensgesellschaft Dr. Stange & Co. Finanz- und Revisionsberatung selbstständig. 1979 gründete er zusammen mit seinem Partner die Privatbank ABK Allgemeine Beamten Bank AG, wo er heute Alleinaktionär und Mitglied des Vorstands ist. Im Februar 2006 übernahm er als Alleingesellschafter die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin. Außerdem ist er Eigentümer und Betreiber von vier Hotelbetrieben in Berlin, Potsdam und Thüringen. 2011 wurde Jörg Woltmann mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und 2015 mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet. 2016 gründete er die Stiftung Königliche Porzellan-Manufaktur.

    Weitere Informationen von Mercedes-Benz sind auf www.mercedes-benz.com verfügbar.

    Bildercredit: Benjamin Zibner

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