Ist Porzellanliebe vererbbar?

    Manchmal ist Geschirr mehr als eine Tasse, aus der wir trinken, oder ein Teller, von dem wir essen. Dann weckt es Erinnerungen, macht gute Momente noch schöner und verbindet uns mit Menschen, die uns wichtig sind. Eine Liebeserklärung an eine Kostbarkeit von Okka Rohd.

    Es gibt zwei Arten von Geschirr in meinem Leben. Das Geschirr, von dem wir oft essen. Weiße Teller, die ihren Zweck erfüllen. Funktional und praktisch – und wenn einer von ihnen mal einen Sprung bekommt, ist das auch nicht weiter schlimm.

    Erinnerungen aus weißem Gold

    Dann gibt es das Geschirr, von dem sich auch meine Gefühle ernähren, das Geschirr für die Erinnerung. Die Tellerchen, mit denen ich als kleines Mädchen gespielt habe und die sich, ich weiß nicht, wie, bis in meine Gegenwart gerettet haben, in einer dieser Kisten, in die man nur bei einem Umzug hineinschaut und von deren Inhalt man sich doch nie trennen kann. Die Tassen, aus denen ich meinen Wachmachkaffee getrunken habe, als ich beschlossen hatte, vom Schreiben leben zu wollen. Die Suppenterrine, die ich auf einem Berliner Flohmarkt erbeutet habe. Jedes Mal, wenn ich sie sehe, fällt mir wieder der Sonntag ein, als wir beschlossen hatten zusammenzuziehen. Keine Ahnung, wieso, aber wir brauchten eine
    Suppenterrine dazu. Sie thront noch heute auf unserem Kühlschrank.

    Filter Set, BERLIN
    Frühstückstasse, BERLIN

    Der teure Schatz

    Vielleicht ist Porzellanliebe vererbbar, manchmal kommt es mir so vor. Schon meine Großmutter holte an jedem Freitagnachmittag, wenn meine Geschwister und ich zu Besuch
    kamen, das gute Geschirr heraus. Es war immer ein sehr feierlicher Moment, wenn sie den
    Schlüssel vom kleinen Schränkchen neben dem Herd umdrehte, um die Tassen und Kuchenteller herauszuholen. Wir fühlten uns sehr groß und geliebt und behandelten ihr Porzellan wie einen teuren Schatz. Heute, so viele Jahre später, mache ich es genau wie sie: Ich feiere die guten Momente mit meinem guten Porzellan. Ich wische noch einmal mit dem Handtuch darüber, auch wenn es gar nicht schmutzig ist. Ich decke den Tisch mit der Leinentischdecke, eigentlich viel zu feierlich für den Brombeer-Crumble und die Cantuccini, die es geben wird, aber ich mag es, wenn man einem Tisch die Vorfreude auf seine Gäste ansieht. 

    Dieses Porzellan ist einfach so schön. Weiß wie ein Schwan auf einem der Teiche im Central
    Park, zart wie das Leben, leise, ohne schüchtern zu sein. Man kann sich an ihm die Hände wärmen, man kann Duft aus ihm emporsteigen lassen, man kann sich an ihm festhalten, natürlich auch von ihm essen und trinken, ganz langsam, Schluck um Schluck, bevor man noch einen Cantuccino in den Espresso taucht. Ist es seltsam, sich in Porzellan zu verlieben? Natürlich ist es das. Aber ich könnte mich nie trennen von diesen Tassen, der Zuckerdose, dem kleinen Kännchen, das eigentlich für Milch gedacht ist, aber auch nichts
    gegen Vanillesoße einzuwenden hat. Diese kleine, verrückte Liebe erinnert mich an das, was mir wichtig ist – an das Essen mit Menschen, die mir viel bedeuten. An diese großen kleinen Momente im Leben, die mich durch die zähen Tage bringen. All jene Momente, die bleiben.

    Die Journalistin Okka Rohd macht im WEISS Kundenmagazin N°1 dem Porzellan eine Liebeserklärung. Wir präsentierten Ihnen hier einen Ausschnitt des Beitrags. Das WEISS Kundenmagazin bekommen Sie als WEISS Kundenclub-Mitglied regelmäßig nach Hause geschickt.

    Bilder: Simone Hawlisch

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