Spurensuche – Die Berliner Gedenktafel

    Kleine Erinnerungsorte. Dezent schmiegen sich die filigranen Porzellantafeln an Häuserwände und Fassaden. Schon über 500 dieser Orte gibt es in ganz Berlin. Und es werden immer mehr. Seit 1985 erinnern die in der KPM gefertigten Gedenktafeln an herausragende Persönlichkeiten und an besondere Institutionen. Sie erzählen Geschichten und halten Geschichte lebendig. In den kommenden Monaten wollen wir Ihnen einige davon zeigen!

    Kunstfigur, Musiker, Schauspieler – David Bowie

    Heute beginnen wir mit der Hauptstraße 155 in Schöneberg. Denn dort lebte von 1976 bis 1978 einer der größten Musiker der Popgeschichte: David Bowie. “Major Tom” oder “Thin White Duke”, androgyner Alien in Strickbody und Kimono, Ziggy Stardust mit Make-Up und toupierten Haaren: Bowie war eine stilprägende Kunstfigur, ein begnadeter Musiker, ein wandlungsfähiger Schauspieler, ein grandioser Texter, kurz: ein in jeder Hinsicht herausragender Künstler. 

    Als der damals 29-jährige Musiker nach Berlin zog, wussten vom Schöneberger Quartier vermutlich nur die eingefleischten Fans – seit 2016 weiß es aber die ganze Welt. Hunderte Blumen, Kerzen und Abschiedsgeschenke erinnern jährlich am Todestag, dem 10. Januar, an sein Leben und sein Wirken – das in den Jahren in der deutschen Hauptstadt nicht unproduktiv blieb. So sind die drei Alben “Low”, “Heroes” und “Lodger” als “Berliner Trilogie” in die Popgeschichte eingegangen. Und das restliche Jahr über gibt die weiße Tafel Zeugnis davon.

    RCA Records
    RCA Records
    RCA Records

    Auf Durchreise: Mark Twain

    Huckleberry Finn und Tom Sawyer – haben auch Sie die Abenteuergeschichten von Mark Twain gelesen, der uns damit die große Welt ins Kinderzimmer geholt hat? Was viele nicht wissen: der gelernte Schriftsetzer war überwiegend als Journalist – genauer gesagt als Reisejournalist – tätig. Genau deswegen verschlug es ihn auch 1891 zum dritten Mal nach Europa, wo er ganze neun Jahre blieb. Unsere Spurensuche führt uns dorthin, wo der US-Amerikaner für die Wintermonate 1891/1892 wohnte: in die Körnerstraße 7 im Stadtteil Tiergarten

    Mark Twain (1835 – 1910)


    In seinen Reisetagebüchern zeigte er sich im Vergleich zu seinen sozialkritischen literarischen Werken durchaus humorvoll und scharfzüngig. Dabei lobte er – wenn auch auf ironische Art – immer wieder das intellektuelle Berlin: Ich glaube sogar, dass es nichts auf der Welt gibt, das man hier nicht lernen kann. Außer der deutschen Sprache.” – Eine Sprache, mit der sich der Autor bis zu seinem Tod 1910 nicht anfreunden konnte. Literarisch schlug sich Twains Leben in der Hauptstadt leider kaum nieder. Die Übersetzung des Struwwelpeters ins Englische zählt hier sicherlich zu seinen Highlights.  

    Das Haus in der Körnerstraße, das der Schriftsteller liebevoll als “Quartier der Lumpensammler” bezeichnete, wurde 1902 abgerissen und durch ein Postamt ersetzt, auf dem wir heute die Gedenktafel finden können.

    Mit Liebe zur Stadt: Christian Morgenstern

    Am Stuttgarter Platz 4 in Charlottenburg-Wilmersdorf finden wir eine weitere KPM-Porzellantafel. Um die Jahrhundertwende herum lebte hier der Schriftsteller und Dramatiker Christian Morgenstern. 

    Christian Morgenstern (1871 – 1914)


    Morgenstern hatte das Talent, Sprache äußerst kreativ einzusetzen, was den Lesern seiner Werke besonders gefiel. Sein ironischer und liebenswürdiger – manchmal auch etwas bissiger – Sprachwitz sorgten für ein großes Lesevergnügen. Die “Galgenlieder” zählen zu seinen erfolgreichsten Werken und inspirierten auch andere Künstler. So auch der Bildhauer Ludwig Gies, der sich 1926 nach dem gleichnamigen Gedicht zu der Skulptur “Mondschaf” inspirieren lies. 

    MONDSCHAF

    Die Zeit in Berlin prägte Morgenstern, der im Jahr 1914 an Tuberkulose starb, sehr. Seine Liebe zur Hauptstadt hielt er 1906 in seinem melancholischen Gedicht “Berlin” fest:

    Ich liebe dich bei Nebel und bei Nacht,
    wenn deine Linien ineinander schwimmen, –
    zumal bei Nacht, wenn deine Fenster glimmen
    und Menschheit dein Gestein lebendig macht.
    Was wüst am Tag, wird rätselvoll im Dunkel;
    wie Seelenburgen stehn sie mystisch da,
    die Häuserreihn, mit ihrem Lichtgefunkel;
    und Einheit ahnt, wer sonst nur Vielheit sah.
    Der letzte Glanz erlischt in blinden Scheiben;
    in seine Schachteln liegt ein Spiel geräumt;
    gebändigt ruht ein ungestümes Treiben,
    und heilig wird, was so voll Schicksal träumt.

    Achten Sie bei Ihrem nächsten Berlin-Besuch auf die filigranen Gedenktafeln. Das preisgekrönte Design von Wieland Schütz ist bis heute unverändert. Ob Richard Strauss, Inge Meysel, Dietrich Bonhoeffer, Hildegard Knef oder Harald Juhnke: die Liste der Geschichten, die durch die Porzellantafeln erzählt werden wollen, ist lang.

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