Die Schatzdose „Boîte de Louise“

    Gemeinsam entwickelten Industriedesigner Hermann August Weizenegger und KPM Chefdesigner Thomas Wenzel die faszinierend vielseitige Schatzdose „Boîte de Louise“. Welche Idee hinter der streng limitierten Schmuckdose steckt, warum die KPM Berlin der richtige Partner für die Realisierung war und vieles mehr erfahren Sie im interessanten Interview mit Hermann August Weizenegger...

    Sie kooperieren regelmäßig mit traditionellen und regionalen Produktionsstätten. Welches Ziel verfolgen Sie damit?
    Es ist mir ein großes, persönliches Anliegen, mittels zeitgenössischen Designs auf die handwerklichen Fähigkeiten und Fertigkeiten von Menschen aufmerksam zu machen. Viele Manufakturen sind über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte gewachsen und teilweise arbeiten Familiengenerationen in den Betrieben. Deshalb gibt es eine große Identität zu Handwerk und Region. Als Industriedesigner ist es eine große Bereicherung, in die jeweiligen Branchen einzutauchen, einen Dialog und im besten Fall ein Objekt zu entwickeln, welches die DNA der Manufaktur am besten wiedergibt. An regionaler Produktion finde ich gut, dass es eine Ökonomie der Nähe, eine Kreislaufkultur erzeugt, wie ich es mit einigen Berliner und Brandenburger Firmen exemplarisch demonstriert habe.

    Haben Sie Kriterien, nach denen Sie Ihre Kooperationspartner auswählen?
    Ich habe einen Leitsatz: Es zählt, was unterm Strich rauskommt und die Qualität hat dabei oberste Priorität. Im weiteren ist mir die Produktion extrem wichtig. Ich möchte als Designer in der Lage sein, die Produktion und die Handwerker persönlich kennenzulernen, einen Bezug zu Material und Fertigung zu bekommen. Ich pflege aus vielen Projekten langjährige Freundschaften, was ich als großes Privileg meiner Arbeit empfinde.

    Was ist die Idee hinter der Schatzdose Boîte de Louise?
    Die Idee war, eine Schmuckdose zu entwerfen, die formal reduziert und schlicht wirkt. Mittels eines transparenten Deckels und der gepressten Facetten ist das Innere der Dose nur leicht zu erkennen. Das birgt etwas Mystisches und Geheimnisvolles. Die schwarze Dose mit dem Gold finde ich perfekt, sie hat eine Funktion, aber gleichzeitig ist sie auch ein sehr dekoratives Objekt, welches überall platziert werden kann. Der Glasdeckel ist eine kleine Erfindung von mir. Ich bin auf die alte und schon fast ausgestorbene Tradition der Glassteinkronleuchter Produktion gestoßen und habe mit einfachen Werkzeugen die Glasdeckel händisch pressen lassen. Die Deckelgröße und das Glasvolumen ist perfekt auf die Werkzeug- und Ofengröße angepasst. Das war dann auch die Idee zu den Facetten, die einmal das Licht brechen sollen, aber auch weniger Glasmasse benötigen. Im Anschluss wurde der Deckel rauchgrau bedampft, um das Innere noch geheimnisvoller erscheinen zu lassen.


    Stand zuerst das Design fest und dann die KPM Berlin als Partner oder umgekehrt?
    Das Design habe ich im Rahmen meiner Einzellausstellung  Atmosim - Gestaltete Atmosphären, die von 2020 bis 2021 im Kunstgewerbemuseum Berlin gezeigt wurde, entworfen. Die Ausstellung hatte 24 Stationen, eine davon war eine Beauty Installation. Dafür hatte ich eine Schmuck- bzw. Schatzdose designt, ohne mir erstmal Gedanken über den Produktionspartner zu machen. Mit meiner ersten Entwurfsidee bin ich dann mit der KPM in Kontakt getreten. Ich finde es schön, dass bei einer Berliner Ausstellung viele ansässige Manufakturen beteiligt sind.

    Warum ist die KPM Berlin der richtige Partner für dieses Stück?
    KPM war für mich ein naheliegender Partner, um diesen Entwurf zu realisieren. Ich wusste, dass die Herausforderung groß war, einen exakten runden Porzellanzylinder zu fertigen, so dass der Glasdeckel optimal passt. Ich muss sagen, dass mir hier dankenswerterweise der Chefdesigner Thomas Wenzel sehr geholfen hat, denn er wusste wie man am Ende einen präzisen Kreis fertigen kann. Dabei war der Einsatz von Diamantschneide und  -poliermaschinen eine sehr hilfreiche Verarbeitungsweise. Hier war klar, es braucht den Dialog zu Experten, ohne die diese Perfektion nicht möglich gewesen wäre.

    Wie kann man sich grundsätzlich den Prozess einer Designentwicklung bei Ihnen vorstellen? 
    Es gibt bei mir zwei Herangehensweisen, die ich in der Regel pflege. Die erste ist, dass ich mit einer Firma arbeite und mir im Vorfeld die Produktion anschaue und aus diesem Kontext einen Entwurf realisiere. Bei der zweiten entsteht der Entwurf aus einer Recherche, wie Messebesuche oder Treffen in Forschungsinstituten. Hier handelt es sich oft um eine neuartige Technologie oder Verfahrensweise. In meinen Atelier überlege ich mir dann, wie ich diese Innovation in ein Produkt übertragen kann und welche Firma dann als Partner*in in Frage kommt. Die Schmuckdose zeigt eine Symbiose. Außer Porzellan sind noch zwei weitere Produktionen zum Einsatz gekommen, um so eine innovative Idee auf den Markt zu bringen.

    Die Schatzdose Boîte de Louise ist ein exklusives auf 100 Stück limitiertes Neuprodukt. Haben Sie denn ein Lieblingsstück aus unserem bestehenden Sortiment?
    Mir gefällt das Service URBINO von Trude Petri besonders gut. Die Gestalterin ist für mich eine Pionierin des Produktdesigns. Die Form, bzw. der Systemgedanke dieser Kollektion ist ein Klassiker der Moderne, der zeigt wie Form und Funktion in schönster Weise zusammenkommen. Das Service ist aus meinen Augen das erste Systemgeschirr, bei dem unglaublich frei gedacht wurde, d.h. der Deckel der Schüssel ist auch gleichzeitig eine umgedrehte Schüssel, der Griff wird zum Fuß etc.. Das ist einfach großartig in der Konzeption. Hier zeigt sich auch, dass KPM nicht nur für historisches, sondern auch für die Moderne immer offen war und in ihrer Geschichte immer innovative Designansätze zugelassen hat. Ich denke der Entwurf meiner Schatzdose „Boîte de Louise“ ist die Fortführung und damit gelebte Tradition.

    Schatzdose „Boîte de Louise“ Limited Edition
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