Happy Birthday

    Ein Bestseller feiert Geburtstag! Ein Beitrag aus dem KPM WEISS Magazin No. 5...

    Vor genau 90 Jahren entwarf Trude Petri das Tafelservice URBINO im Stil der neuen Sachlichkeit. Es zählt auch heute noch zu den beliebtesten Kollektionen der KPM Berlin.

    Geniale Gestalterin
    Trude Petri schuf Designs, die von zeitloser Schönheit sind

    Als Trude Petri 1927 ihre Töpferlehre in Hamburg abbricht, um nach Berlin zu ziehen, ahnt die damals 21-Jährige vermutlich nicht, wie nachhaltig sie das deutsche Porzellandesign in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägen wird. Zunächst vertieft sie ihre keramischen Studien an der Staatlichen Porzellan-Manufaktur (später KPM Berlin) und wird vom damaligen Direktor Nicola Moufang sowie dem Bildhauer Otto Gothe gefördert. Auch der neue Direktor Günther von Pechmann erkennt das Talent der jungen Petri, bietet ihr 1929 eine Festanstellung an und gibt ihr den Auftrag, im Geiste der Neuen Sachlichkeit ein Service mit klarer Formensprache zu entwickeln.

    Zwei Jahre später, 1931, gelingt es Trude Petri, gleich zu Beginn ihrer Karriere einen der berühmtesten Designklassiker der KPM Berlin zu entwerfen: das Tafelgeschirr URBINO. Dabei lässt sie sich vor allem von ostasiatischen Keramiken wie schlichten Reisschalen, die auf Kreis- und Kugelformen basieren, inspirieren. Die vom Bauhaus beeinflusste „reine Form“ ohne Dekor beeindruckt auch die Fachwelt: Auf der VI. Triennale di Milano wird URBINO 1936 mit der Goldmedaille und 1937 auf der Internationalen Weltausstellung in Paris mit einem Grand Prix ausgezeichnet.

    Der Zweite Weltkrieg verändert vieles: Im November 1943 zerstören alliierte Flieger große Teile der Manufaktur, Anfang 1944 wird Petris Wohnung vollständig ausgebombt. Die KPM evakuiert alle Mitarbeiter:innen in die Porzellanstadt Selb. Nach Kriegsende beschäftigt sich Petri in der oberfränkischen Provinz mit der Rekonstruktion ihrer zerstörten Modelle.

    1949 wagt sie der Liebe wegen den Sprung in die USA. Sie zieht zu ihrem Hamburger Jugendfreund, dem Architekten John G. Raben, der bereits seit 1929 in Chicago lebt. Kurz darauf heiratet das Paar. Mit der Berliner Manufaktur steht sie in den folgenden Jahrzehnten in engem Kontakt, liefert der KPM weiterhin Entwürfe und bleibt dabei ihrer Maxime „So einfach wie möglich, so elegant wie möglich“ treu.

    Ende der 50er-Jahre plant das Ehepaar, nach New York umzusiedeln. Doch als John Raben 1961 an einem Herzinfarkt stirbt, beschließt Trude Petri, in Chicago zu bleiben. Bei aller Trauer arbeitet sie unbeirrt weiter. Anlässlich des 200-jährigen Bestehens der KPM reist sie 1963 noch einmal nach Berlin. Ihr letzter Porzellanentwurf für die Manufaktur stammt aus dem Jahr 1967: die rechteckige Vase Tee (heute CADRE), deren Form auf die Anfang der 1930er-Jahre geschaffene URBINO Teedose zurückgeht. Ein weiterer Designklassiker von Trude Petri – einfach, elegant und zeitlos.

    Vase, CADRE 0
    Vase, CADRE 1
    Vase, CADRE 2

    HOCH DIE TASSEN!
    Intensives Eisenrot, kräftiges Blau oder leuchtendes Zitronengelb: Charakteristisch für den URBINO Multicolore Dekor ist die einfarbige Tellerfläche und Außenseite der Tassen, gekrönt von einer 24-karätigen Goldlinie am Teller- oder Tassenrand sowie an den Henkeln. Jedes Stück wird von Hand mit der traditionellen „Stupftechnik“ bemalt – mithilfe eines speziellen Schwamms. Ganz unten der weiße Teller URBINO CANTO: Hier besteht die Besonderheit in einer feinen schwarzen Linie.

    ILLUSTRE RUNDE
    Die URBINO Terrinen und Ragouts sind von asiatischen Reisschalen inspiriert: Trude Petri legte großen Wert auf Funktionalität und vielseitige Verwendbarkeit ihrer Entwürfe. Der Deckel lässt sich umgedreht als Schale nutzen.

    ZUGABE, ZUGABE!
    Öl- und Essigflasche fallen durch ihre markante Taillenform und den ausladenden Kragen auf: Trude Petri fügte sie in den 50er-Jahren dem URBINO Service hinzu und bildete mit ihnen ganz bewusst ein Gegengewicht zu den sonstigen Kugel- und Kreisformen der Kollektion.

    FIFTIES-FLAIR
    Hingucker sind auch der Salz- und der Pfefferstreuer. Trude Petri entwarf sie (wie Öl- und Essigflasche) 20 Jahre nach der ersten URBINO Serie und ließ die Aufbruchstimmung der Wirtschaftswunderjahre in die Kollektion einfließen. Das asymmetrisch geschwungene Design erweitert die strenge Formensprache um spielerische Akzente. Der Entwurf wurde unter anderem 1954 auf der X. Triennale in Mailand ausgezeichnet.

    Bilder & Styling: Stills & Strokes
    Text: Heike Gläser

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