Happy Birthday, Kurland!

    Bereits vor 230 Jahren wurde im Schloss Friedrichsfelde auf dem Service KURLAND delikat zubereiteter Fasan serviert. Bis heute ist das Geschirr mit der auffälligen Reliefbordüre das beliebteste und erfolgreichste der KPM Berlin – und es bleibt zukunftsweisend. Ein Beitrag aus der vierten Ausgabe unseres WEISS Kundenmagazins...

    BERLIN ENDE DES 18. JAHRHUNDERTS: Damen flanieren in Chemisenkleidern
    über den Boulevard Unter den Linden oder im Tiergarten. Das Brandenburger Tor befindet sich noch im Bau und für die schnellere Fortbewegung sind Kutschen unterwegs. Die spazierenden Damen halten Sonnenschirme in der Hand, am Arm ihre Begleiter. Die meisten Männer kleiden sich mit dem Herrenrock, einer Art Frack – vorne kurz, hinten lang –, dazu weißer Stehkragen und Schnallenschuhe. Der moderne Mann trägt jetzt Zylinder, so setzt er nicht nur einen Hut auf, sondern sich auch mit dem Adel gleich: ein Zeichen des Wandels.

    In Paris tobt die Französische Revolution. Auch in Berlin kommt der Wunsch nach Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf – aber die Verbürgerlichung beginnt erst langsam und ruhiger. Nach dem Tod von König Friedrich II. regiert sein Neffe Friedrich Wilhelm II. Neben seiner Gemahlin, der Königin, hat er eine offizielle bürgerliche Mätresse. In den  aufkommenden literarischen Salons in Berlin mischen sich Aristokraten mit Denkern und Künstlern.

    Und die KPM Berlin? Wie sein Onkel deckt zwar auch Friedrich Wilhelm II. seinen Porzellanbedarf bei der Königlichen Manufaktur, doch sein Amt als Fabrikherr überträgt er lieber einer Kommission. Die KPM wird zu einem technologisch führenden Unternehmen in Preußen und schafft die erste Dampfmaschine in Berlin an. Sie ersetzt so die Pferde für den Antrieb der Glasurmühlen. Wirtschaftlich geht es steil bergauf.

    Die Manufaktur fertigt damals nur nach Auftrag. Einen ganz besonderen erhält sie um 1790 von Peter von Biron. Der musik- und kunstliebende Herzog von Kurland und Semgallen war mit seiner dritten Gemahlin vom Baltikum nach Berlin gezogen. Das Herzogspaar hatte sich das Schloss Friedrichsfelde in der Nähe der Stadt gekauft.

    Dieses muss nun eingerichtet werden. Und natürlich darf ein angemessenes Tafelservice nicht fehlen. Prächtig soll es sein, aber auch modern, so wünscht es Peter von Biron. Was sich Ende des 18. Jahrhunderts bereits in der Kleidung und im gesellschaftlichen Leben andeutet, macht sich auch im Design bemerkbar: Die Zeit des repräsentativen Rokokos, wie es mit seinen üppigen Dekoren am Hof zelebriert wird, geht zu Ende. Unter dem neuen König setzt sich auch in der KPM ein klassizistischer Stil durch, der auf antike griechische oder römische Vorbilder zurückgreift.

    Für Peter von Biron liefert der damalige Modellmeister der KPM, Johann Karl Friedrich Riese, den Entwurf „Service mit antiquer Kanthe“. Seine Teller, Kannen und Tassen sind symmetrisch, konisch, gradlinig und tragen kantige Henkel „à la grecque“. Die fast schon strenge Form bekommt eine verspielte Reliefbordüre aus Schmuckelementen der Antike: Tuchgehänge, Eierstäbe und einen Perlrand.

    Bei dem für Peter von Biron entworfenen Dekor werden die goldenen Schmuckelemente hochglanzpoliert, die vergoldeten Tuchgehänge auf einem grünen Fond werden mit dem Achatstift graviert. Wahrscheinlich war das Service auf den Apricot Farbton des Treppenhauses im Schloss Friedrichsfelde abgestimmt. Feld- und Wiesenblumen mit Gräsern und Schmetterlingen zieren zudem das Geschirr – für diese Zeit etwas Besonderes. Zuvor wurden lediglich kostbare Tulpen und Nelken, die damals aus Persien und China importiert werden mussten, auf Porzellan verewigt.

    Das Service, welches erst später dem Herzog zu Ehren in KURLAND umbenannt wird, gefällt nicht nur Peter von Biron. 1791 schenkt es Wilhelm II. seinem Onkel Prinz Heinrich als Neujahrspräsent. Später erhalten auch sein Sohn Friedrich Wilhelm III. und dessen Gemahlin Luise von Preußen dieses Service. Seiner Tochter Prinzessin Auguste von  Preußen schenkt er es zur Hochzeit. Auch seine Mätresse, die Gräfin Lichtenau, wird damit ausgestattet.

    Was zunächst nur den königlichen und fürstlichen Häusern vorbehalten war, wird ab Mitte des 19. Jahrhunderts auch ans Bürgertum verkauft – und so speisen zum Beispiel Katia Pringsheim und Thomas Mann bei ihrer Vermählung 1905 von KURLAND Tellern mit Goldkante.

    Bis heute gilt KURLAND als das erfolgreichste Service der KPM Berlin. Seit 230 Jahren steht es mit seinen klassizistischen, gradlinigen Formen für die traditionellen Werte der Berliner Manufaktur. Und werden heute mehr als 70 Gäste zu einem Staatsempfang in Berlin erwartet, steht im Schloss Charlottenburg ein KURLAND Tafelgeschirr mit Goldstaffage und grünem Fond bereit. Eine Produktionspause hat es für KURLAND nie gegeben. Über alle Epochen hinweg, vom Jugendstil bis zur Moderne, war das Service beliebt – wohl auch, weil die Menschen sich immer wieder für die Antike begeistern konnten.

    Kannelierte Dose, KURLAND, Multicolore, reiche Goldstaffage, Fond MINTGRÜN
    Leuchter, hoch, KURLAND, Multicolore, reiche Goldstaffage, Fond MINTGRÜN
    Latte-Macchiato-Becher Gr. 3, KURLAND, Multicolore, reiche Goldstaffage, Fond MINTGRÜN

    KURLAND ist und bleibt daher ein Symbol guten und zeitlosen Geschmacks. Vor allem die reinweiße Variante besticht bis heute durch ihre schlichte Eleganz. Auch für den Eigentümer der KPM, Jörg Woltmann, war dieses Service etwas ganz Besonderes – bereits lange bevor er die Berliner Manufaktur übernahm: „Mit 28 Jahren habe ich mein erstes Unternehmen verkauft. An diesem Tag habe ich mir selbst drei Dinge geschenkt: ein Auto, eine Uhr und ein klassisch weißes KURLAND Geschirr für acht Personen komplett.“

    Frühstücks-Set, KURLAND, 18-teilig (6 Personen)
    Tafel-Set, KURLAND, 12-teilig (6 Personen)
    Dinner-Set, KURLAND, 30-teilig (6 Personen)

    Zum 250-jährigen Bestehen der KPM Berlin wurden dem KURLAND Service zu Ehren zwei neue Varianten als Jubiläumsservice entworfen. ROYAL NOIR hat einen schwarzen Fond und eine Staffage aus 24-karätigem Poliergold. Beim BLANC NOUVEAU besteht die Reliefkante aus Biskuitporzellan – und die matten Flächen können mit unterschiedlichen Farbfonds dekoriert werden.

    Ein Design, so beständig und wandelbar

    Sahnegießer, KURLAND ROYAL NOIR, groß
    Dinner-Set, KURLAND, 12-teilig (4 Personen), Royal Marbre
    To-go Becher, KURLAND, Schwarz
    BIRKENSTOCK Arizona, KURLAND Royal Noir

    Das KURLAND Service ist immer wieder um einzelne Teile erweitert und den Bedürfnissen der Zeit angepasst worden: von einer Spargelplatte über einen Aschenbecher bis hin zur Müslischale. Mit fast 70 Artikeln ist KURLAND inzwischen die umfangreichste Serie der KPM Berlin. Durch Kooperationen mit Firmen wie Birkenstock oder dem Berliner Imbiss „Curry 36“ schaffte es das auffällige Relief in den letzten Jahren sogar auf Sandalen und Currywurst-Schalen aus Porzellan – und wurde so endgültig in die Gegenwart befördert.

    Die antiken Schmuckelemente, die bereits vor 230 Jahren die feinen Teller im Schloss Friedrichsfelde umrandeten, schmücken seit Kurzem auch einen Gegenstand, der exemplarisch für das 21. Jahrhundert und seine Schnelllebigkeit ist: den To-go-Becher. In der KURLAND Variante ist er aus Porzellan, also umweltfreundlich und wegen des Softtouch-Covers herrlich angenehm zu halten. Besser kann man Moderne und Tradition wohl kaum kombinieren.

    Text: Sandra Winkler

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