Woltmann trifft Gräfin Rothkirch & Gerhard Schöningh

    Für unserer Kundenmagazins WEISS N°2 traf sich Jörg Woltmann – Inhaber der Königlichen Porzellan-Manufaktur – mit Gräfin Rothkirch und Gerhard Schöningh. Lauschen Sie noch einmal einem interessanten Gespräch über die Höhen und Tiefen, die mit der Erhaltung eines Kulturguts einhergehen.

    Gerhard Schöningh kaufte die Rennbahn Hoppegarten, Jörg Woltmann die Königliche Porzellan-Manufaktur. Beide Unternehmer haben so ein Berliner Kulturgut vor dem Bankrott gerettet – und sich eine Menge Arbeit aufgehalst. Unterstützt werden sie dabei von der Gräfin Rothkirch.  

    Jörg Woltmann: Herr Schöningh, Sie kamen vor ein paar Jahren aus London eingeflogen und haben in Berlin die Rennbahn Hoppegarten erworben. Das fand ich als Unternehmer natürlich spannend. Man wusste ja, dass die Rennbahn ein Berliner Kleinod ist. Aber sie war auch immer ein vernachlässigtes Kind. Warum haben Sie Ihr Privatvermögen investiert?

    Gerhard Schöningh: Pferderennen waren immer ein großes Hobby von mir. Ich lebe seit 35 Jahren in London, und bin in England regelmäßig zu sehr guten Rennen gegangen.
    2006 sagte mir ein Freund: ‚Hast du gehört, Hoppegarten wird privatisiert.’ Ich kannte die Rennbahn nur von einem Besuch 1989, aber Hoppegarten ist natürlich jedem ein Begriff. Sie war die Bahn Nummer eins in Deutschland bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Da ich nach dem Verkauf eines Unternehmens, dass ich als Fondsmanager mitgegründet hatte, genug Geld und Zeit erübrigen konnte, habe ich mir die Unterlagen bestellt, durchgesehen und fand: Das ist wahnsinnig spannend. Und mal was ganz anderes zu machen, wäre schon toll. Ich bewerbe mich.

    GERHARD SCHÖNINGH
    Geb. 1961 im nordrhein-westfälischen Krefeld neben einer Rennbahn. Anfang der 1980er-Jahre ging Schöningh nach London, wo er erfolgreich als Fondsmanager arbeitet. Im März 2008 erwarb er die 207 Hektar umfassende Anlage Hoppegarten für knapp drei Millionen
    Euro. Hoppegarten ist damit die einzige Rennbahn in Europa, die komplett in privater Hand ist.

    Jörg Woltmann: Diese Entscheidung fand ich beeindruckend. Und die Gräfin Rothkirch, als Vorsitzende des Rennclubs Hoppegarten, hat uns später dann bei einem Abendessen zusammengebracht.

    Gräfin Rothkirch: Ja, ich erinnere mich noch, wie wir im Sommer in einem Restaurant draußen saßen und Sie, Herr Woltmann, zu Herrn Schöningh sagten: Wir sind die beiden
    Verrückten hier in Berlin.

    Gerhard Schöningh: Sicherlich könnten wir unsere Zeit und Energie deutlich gewinnbringender einsetzen.

    Jörg Woltmann: Ja, aber nicht schöner!

    Gerhard Schöningh: Obwohl es schon eine Menge Arbeit ist. Ich dachte ursprünglich, du belebst da mal die Rennen wieder und machst die Gebäude schöner. Doch seit 2013 sind wir Denkmal nationaler Bedeutung. Gerade wurde bekanntgegeben, dass wir für ein Denkmalschutzprojekt über achteinhalb Millionen Euro die Hälfte vom Deutschen Bundestag
    bekommen. Jetzt bemühen wir uns um Mittel des Bundes und des Landes Brandenburg. Das zu verbauen ist eine sehr komplexe Aufgabe. Außerdem möchte ich noch Randbereiche der Rennbahn entwickeln. Dort Beherbergungen errichten. Wir werden Gewerbe ansiedeln und versuchen auch das Riesengelände für Gastveranstaltungen zu nutzen. Es gibt sehr viel zu tun.

    Jörg Woltmann: Davon kann ich auch ein Lied singen. Man kauft ein Unternehmen und weiß gar nicht, was auf einen zukommt. Ich habe die Manufaktur innerhalb einer Woche erworben, ohne überhaupt darin gewesen zu sein. Es musste schnell entschieden werden. Da kommt später so manches Unerwartete hoch.

    Gerhard Schöningh: Auf jeden Fall. Anfangs war ich vielleicht etwas blauäugig und habe bestimmt auch viele Fehler gemacht, aus diesen Fehlern gelernt. Inzwischen habe ich 
    aber ein sehr klares Bild, wie wir die Anlage in eine sehr gute Zukunft führen können. Das hatte ich vor zehn Jahren noch nicht. Aber ich glaube, die Chancen, die wir haben, sind größer als gedacht. Und insgesamt sehr positiv.

    Jörg Woltmann: Das glaube ich auch. Nach unserem Abendessen bin ich Ihrem Rennclub sofort beigetreten.

    Gräfin Rothkirch: Sie waren eines unserer ersten Mitglieder. Wir haben sehr klein angefangen. Heute kommen 130 Mitglieder zu den Rennen. Mit dem Rennclub, der das beste Gebäude mit der besten Sicht auf der Rennbahn hat,  wollen wir den Rennsport in der Region bekannt machen, bei Unternehmen, bei der Berliner Gesellschaft. Wir akquirieren neue Rennpferdebesitzer, bringen sie mit Züchtern aus ganz Deutschland zusammen.

    TINI GRÄFIN ROTHKIRCH
    Geb. 1954 im hessischen Fritzlar. Nach einer Schreinerlehre in Kassel, arbeitete sie als Volontärin in einer Werbe- und PR-Agentur, parallel studierte sie an der Werbefachlichen Akademie Köln. Danach wurde sie mit 24 Jahren im Berliner Hotel InterContinental die
    jüngste PR-Chefin Deutschlands. Seit ein paar Jahren verleiht sie als Vorsitzende des Rennclubs der Pferderennbahn im Osten Berlins neuen Glanz.

    Jörg Woltmann: Und sie erhalten ein Kulturgut, eine Berliner Institution. Ich finde, das muss man unterstützen. Da muss man Präsenz zeigen. So wie Sie gestern auf dem Sommerfest meiner ‚Stiftung Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin’, die die Förderung und Weiterentwicklung des Kulturgutes KPM Berlin übernimmt.

    Gerhard Schöningh: Ich freue mich sehr darüber, dass ich bei Ihrem Fest ein URBINO-Teeservice ersteigern konnte. Ich finde die Marke KPM sehr spannend und ich finde es sehr sympathisch, dass Sie, Herr Woltmann, führende Vertreter gefunden haben, die das Unternehmen wunderbar präsentieren. So wie Ihr Bereichsleiter der Malerei.

    Jörg Woltmann: Matthias Dotschko.

    Gerhard Schöningh: Ja, er wird mein Teeservice bemalen. Ich habe ihn bereits kurz kennengelernt: Ein ganz junger Mann, der sehr höflich und sehr kreativ ist. Einfach ein guter
    Typ. Es ist ganz wichtig, dass die Mitarbeiter, die ein Unternehmen mit dieser Tradition – und irgendwie auch Strenge – verkörpern, nicht irgendwelche alten Säcke und Traditionalisten
    sind. 
    Alte Marken müssen ja weiterleben, sie müssen relevant sein für die Menschen von heute. Sie machen ja auch viele Kooperationen, auch unkonventionelle. Zum Beispiel mit
    Birkenstock. Da muss man erstmal drauf kommen.

    Gräfin Rothkirch: Wie lassen sie das Geschirr bemalen?

    Gerhard Schöningh: Das weiß ich noch nicht. Ich wurde schon von den Gästen des Stiftungsfestes mit Ratschlägen überhäuft: ‚Da müssen Initialen drauf, da müssen Pferde drauf.’ Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr, mit Herrn Dotschko, die Farben und das Motiv auszusuchen. Ich werde ihn einfach fragen. Er ist ja eine totale Autorität.

    Gräfin Rothkirch: Ist es eigentlich schwierig guten Nachwuchs für die Manufaktur zu bekommen?

    Jörg Woltmann: Überhaupt nicht. Bei uns ist ja der Beruf Berufung. Und unsere Mitarbeiter können in einer der besten Manufakturen der Welt lernen. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir inzwischen als solche wahrgenommen werden, und dass wir Kooperationen mit großartigen Unternehmen wie Bugatti oder Bottega Veneta haben. Die machen das ja nicht, weil wir nette Menschen sind, sondern weil sie uns die höchste Kompetenz und Strahlkraft in Porzellan zumuten.

    JÖRG WOLTMANN
    Geb. 1947 in Berlin. Nach dem Abitur absolvierte er eine Lehre zum Bankkaufmann und studierte Betriebswirtschaftslehre in Berlin. 1979 gründete Woltmann die Privatbank ABK Allgemeine Beamten Bank. Im Februar 2006 übernahm er als Alleingesellschafter die
    Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin. Woltmann ist Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande und wurde 2015 mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet.

    Text: Sandra Winkler
    Bilder: Anna Rose

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